Bayfield 29 Sailing adventures

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Auf dieser Seite möchte ich mich bei Gelegenheit an einige der wundervollen Erlebnisse entlang der Küste von Nova Scotia, Cape Breton und in den Bras D’or erinnern. Die englische Version werde ich mit meinen bescheidenen Englischkenntnissen selber übersetzen. Sie werden voller Fehler sein, sorry.

On this page I would like to tell you some of my beautiful experiences along the coast of Nova Scotia, Cape Breton and in the Bras D’or. Never really went to school to  improve  my english, hope you do not mind. 

Danke Charles Irving (Charley) für Deine Hilfe. Gut möglich, dass Du mir mein Leben mit Deinen vielen Ratschlägen erheblich verlängert hast. Ich hoffe, dass Du noch manche glückliche Stunde mit Deiner Moon Shadow verbringen kannst. Ein wenig habe ich Dich immer beneidet, weil Du noch die original Takelung hast, Mainsail, staysail und Jib, während ich nur mit Genua und Mainsail zu tun hatte.

Thank you Charles Irving (Charley) for your help. Could well be, that you have prolonged by life by a considerable amount of time with all the good advice I got from you. I always kept my ears wide open when you spoke about sailing. I always was a little bit jealous because your Moon Shadow still had the original sails. I guess you named them Yankee, Stay and Mainsail. I had two only: Mainsail and Genoa.

Beitrag 1  von Max Stricker (English version follows later)

Es ist nur natürlich, dass die erste alleinige Ausfahrt mit Island Girl, der 29 Fuss langen kleinen Segelyacht, hinaus in den „offenen“ Ocean, von mir als Abenteuer betrachtet wird. Ein bescheidenes Erlebnis, aber voller Spannungen.

Finde ich den Weg zurück?

Ist der Motor in Ordnung?

Was mache ich wenn plötzlich starker Wind aufkommt?

Oder Nebel?

Sollte ich mich nicht besser mit einer Leine sichern? Oder gar die Schwimmweste anziehen?

Ich habe, zu meiner Schande muss ich dies gestehen, nie eine Schwimmweste angezogen. Trotz dem Umstand, dass dies immer wieder als wichtig bezeichnet wird. Angebunden habe ich mich später schon ab und zu. Wenn starker Wind aufkam und ich zum Mast musste oder aufs Vorschiff. Ich habe einmal gelesen, dass ein Mensch in den kalten Gewässern nicht lange überleben kann. Eine Schwimmweste verlängert meines Erachtens nur das Leiden hin zum „ewigen Schlaf“. Ausserdem bin ich jetzt nicht mehr verpflichtet, für Angehörige zu sorgen, denen gehts vermutlich sogar besser ohne mich, auch finanziell. Also was solls. Zudem finde ich, sind angeschwemmte Leichen in einer Schwimmweste etwas unappetitliches, da ist es schon besser, wenn man zu Fisch- oder Krebsfutter wird. Andere Lebewesen finden ja auch den Weg zu dieser Umwandlung. Aber solche Überlegungen sind ja jetzt müssig, ich habe überlebt und Island Girl hat einen neuen Besitzer gefunden der sich jetzt mit solchen Fragen beschäftigen kann.

Also nächste Sorge:

Funktioniert das GPS? Habe ich die richtigen Grunddaten eingegen, Maps und so?

Wie lange reicht so ein kleiner Tank voll Dieselöl um den lärmigen kleinen 10PS Motor zu betreiben?

Die Segel aufziehen wollte ich nämlich erst später, wenn kein störendes Objekt in der Nähe war und vor allem: wenn niemand mir dabei zusah.

Ich habe noch nie ein Segelboot gesteuert und das muss ja nicht gerade jeder sehen können. Die vielen Leinen hat mir freundlicherweise Charley geordnet und auch gesagt, was ich damit tun soll. Es war ein einstündiger Schnellkurs, aber sehr kompetent vorgetragen.

Nach Frog- und Roundisland war es bereits so weit, nach ungefähr einer Stunde gemütlichem Tuckern. Keine Wellen, oder nur kleine, waren hier in der Mahone Bay zu sehen. Big und Little Tancock Island sowie Blockisland weiter aussen schützen die Bay. Kein Boot weit und breit zu sehen, das Land und die Inseln nur noch als schwache Kontur rund herum. Eine grosse Bay, ganz allein für mich. Es war an einem Wochentag, am einem schönen Wochenende kann es hier von Booten wimmeln.

Als ich den Motor abstellte, hatte das SchwarzweissGPS eine Linie hinterlassen, dort wo ich durchgekommen bin. Ich bin erleichtert, ich kann also nur dieser Linie folgen und alle meine Navigationsprobleme sind gelöst. So einfach ist das.

Und wenn nun dies alles gar nicht so genau stimmt? Blöde Frage. Natürlich stimmt das. Dass dem nicht so ist, fand ich viel später heraus. Es war zum Glück ein sonniger Tag mit frischem Wind und ich war im Begriff, nach Little Dover einzulaufen. Da hatte ich schon ein zweites GPS, in Farbe und das direkt vor dem Gesicht oberhalb des Kompasses, damit ich mich nicht immer bücken musste um die spiegelnde Oberfläche zu durchschauen, bei dem geschützt angebrachten alten GPS.

Wie gewohnt schaute ich immer auf die Umgebung, auch hin und wieder einmal zurück – es gibt viel schnellere Boote als meins und ich befand mich in einer Engstelle – und dann wieder genau so oft aufs GPS. Da begannen sich meine Muskeln zu verkrampfen. Die Finger am Steuerrad wussten nicht mehr wem sie gehorchen sollten. Das Boot fuhr über Land! Ich war stark versucht, dem ersten Impuls zu folgen und das Steuer herum zu reissen um das Boot vom Land runter zu bringen. So oft habe ich die GPS Anzeige im Nebel und auch sonst zur Kursverfolgung genutzt, dass es mir jetzt schwer fiel nicht direkt in das naheliegende linke Ufer hineinzusteuern. Die Fahrrinne war hier schmal, nur ca 50 Meter breit, nur 20 Meter davon waren zu nutzen und das Boot befand sich auf dem Land zur rechten Seite.

Schnell war die Überraschung überwunden und ich tat das Naheliegendste. Ich brachte das Boot zum stehen und warf einen Blick auf das alte GPS. Tatsächlich auch hier: Das Boot war auf dem Festland.

Lange konnte ich jedoch nicht überlegen. Ein stillstehendes Boot ist nicht steuerbar und der Ebbstrom zwang mich zum handeln. Schliesslich beschloss ich, den kurzen Restweg langsam und nach Sicht zurückzulegen. Nach einer halben Stunde warf ich Anker in der Mitte der kleinen Bucht. Weiter ins Landesinnere ging es hier nicht. Obwohl ich einige der sehr netten Leute von Little Dover kannte, wollte ich nicht die lokalen Anlegestellen benutzen und erst einmal essen und schlafen.

Ein Kribblen lief mir den Rücken hinab wenn ich daran dachte, wie ich oft im dicken Nebel, nicht einmal das Wasser war zu sehen, durch Engstellen navigiert bin, immer im Vertrauen, dass das GPS bis auf 15 Meter akkurat das anzeigte was Wirklichkeit war. Einen Radar hatte ich nicht und wollte auch keinen haben. Braucht zu viel Strom und die Sorgen um die Batterieladung wollte ich mir nicht machen. Und sowieso: Wo bleibt das Abenteuer, wenn man immer Bescheid weiss?

Nachdem der Anker gefallen war, befand sich das Boot ungefähr 100 Meter im Landesinnern im Wald. Ich machte bei beiden Geräten einen Restart und die Situation änderte sich nicht. Ausnahmsweise liess ich die beiden Geräte eingeschaltet über Nacht und fixierte eine enge Ankerwache mit dem Radius 50 Meter. Mitten in der Nacht piepste der Ankeralarm. Das Boot war dort, wo es hingehörte, mitten in der Bucht von Little Dover in Nova Scotia.

Doch an diesem meinen ersten Segeltag befestigte ich Abends Island Girl an einer Boje vor Round Island. Man hatte mir gesagt, dass dies ohne weiteres getan werden durfte, vom Garagisten Namens Wesley Hatt, der sich um meinen Wagen kümmerte. Als ich die Heckleiter hinunterliess sah ich den sandigen Grund. Doch das ging in Ordnung, es war Ebbe und IG hatte nur einen Meter Tiefgang. Als ich an Land schwamm, konnte ich erst einmal stehen und mich wundern ob das wirklich gut ging. Es war aber ein leichter auflandiger Wind und näher konnte IG der Insel nicht kommen.

Zurück an Bord liess ich mich von IG in den Schlaf schaukeln. Die Boje mit dem Namen „HATT“ sei eine starke Boje, wurde mir gesagt und ich schlief zufrieden und gut, so wie man das nur auf einem sanft schaukelnden und schwojenden Boot in geschützter Lage geniessen kann.

Der Nordsturm

 

In einer Stunde werden wir auslaufen. Nein, nicht Island Girl und ich alleine, vielmehr ein weit grösseres Boot, ein richtiges Schiff, die Norwegian Spirit wird für die nächsten 7 Tage mein Zuhause sein.

Island Girl? Ja, vielleicht kennst du Island Girl noch nicht. Ein 29 Fuss langes, behäbiges Segelschiffchen, ca 3-4 Tonnen schwer, umgetakelt von „Cutter rigged“ to a „Sloop rigged“ Sailboat. IG wurde vor mehr als 30 Jahren in Kanada erbaut. Wunderbar ausgestattet mit Teakholz, heute noch wie neu und gut gepflegt. Auf den höchsten Sicherheitsstand gebracht durch die „Seakids six“, eine Familie die in allen Belangen, was Seefahrt betrifft, gut Bescheid wusste. Sie bekam von ihnen einen neuen Propeller mit neuer Welle verpasst, neue Unterwasserdurchlässe aus Chromstahl ersetzten die alten sieben Stück Bronze und Plastikteile, die spröde geworden und deshalb nicht mehr sicher waren. Die alten wasserführenden Schläuche, hart geworden über die Jahre, wurden ersetzt durch neue, flexible Schläuche, befestigt mit je 2 Chromstahlbriden. Bevor dies geschah, wurde der ganze Rumpf geschält und mit Hightech Materialen zweifach beschichtet. Über den Kiel wurden sogar vier Schichten gelegt welche die zwei zusammengeklebten Rumpfhälften sicher verbanden. Der Mast wurde mit zusätzlichen Stahlseilen zur Mitte hin verstärkt. Das wurde von mir selber durchgeführt, hatte ich doch festgestellt, dass die angeschweißten Alu teile brüchig waren und eines davon sogar vollständig brach und geschweißt werden musste. Das Ruder wurde ausgebaut, an vielen Stellen durchbohrt und mit Fiberglasschnüren verstärkt nachdem es einen Winter lang zusammen mit dem ganzen Rumpf mit Infrarotheizung ausgetrocknet wurde. Der Rumpf bekam zum Schluss einen neuen Shellcoat und nichts war zu sehen von den vielen investierten Stunden, Materialen und harter Arbeit.

Ein abenteuerlustiger und unerfahrener, sorgloser und ein wenig lebensmüde gewordener Besitzer haben dafür gesorgt, dass diese Sicherheitsmaßnahmen nicht umsonst waren.

Kurz nach dieser Instandstellung geriet ich in Sambro in eine Gezeitenfalle. Das wäre nicht geschehen, wenn ich detaillierte Charts gehabt hätte. Da ich aber die gesamte Küste von Neuschottland und Cape Breton befuhr, hätte es gar nicht genug Platz gegeben auf dem kleinen Boot für all diese Karten, ganz abgesehen von den hohen Kosten die damit verbunden sind.

Eine Felsinsel liegt in der Einfahrt von Sambro. Als Rechtsverkehrsteilnehmer fuhr ich selbstverständlich rechts von der Insel in den Hafen ein und ebenso rechts von der Insel wieder hinaus. Wasserfahrzeichen oder Warnschilder waren keine zu sehen die das verboten hätten. Später fand ich dann heraus, dass dies ein wohlbekannter Spaß Faktor dieser Gegend war, gemacht um den nicht unbedingt gern gesehen Besucher von Sambro Harbor ein Ding zu verpassen.

Das „Ding“ begann damit, dass ich meinen Augen nicht mehr zu trauen glaubte. Nervös schaute ich mehrmals links und rechts, dann wieder voraus. Ja, es war aber tatsächlich so wie es aussah. Die See, ca. hundert Meter breit zwischen Insel und Festland, bekam einen Buckel. Zehn oder mehr Meter hoch wie es schien. Mein Hirn lief heiß ob die offen standen. Sofort umkehren? In der Mitte bleiben oder zur Küste hin? Oder vielleicht besser näher an die Insel? Die Entscheidung wurde mir abgenommen. Vor mir entstand eine Superwoge. Nun war die Frage nur noch: Über Bord springen oder mich am Steuerrad festklammern? Denn das Boot würde sich überschlagen, das glaubte ich zu wissen. Senkrecht zum Himmel zeigte der Bug und ich hängte mit den Händen am Steuerrad und mit den Füssen an der Heckkiste welche einige Instrumente enthielt. Als nächstes wird sich das Boot ins Wasser senken mit dem Heck voran!

Noch war ich nicht ganz oben auf der Woge, da begann diese zu brechen. Ich schaute zum Festland und sah das sich brechende Wasser Weiß schäumend. Ich sah auch aus dieser ungewöhnlichen Perspektive, dass der Mast parallel zum Horizont lag.

Durch das Brechen der Wogen erhielt das Wasser aber Fahrt! Was vorher nur ein stehendes Wasser war, strömte so schnell am Heck des Bootes entlang sodass dieses langsam aber sicher wieder in horizontale Lage gedreht wurde. Mein Kopf drehte sich während dieser Zeit mehrmals in alle Richtungen um die Situation zu erkennen und um die richtigen Vorkehrungen zu treffen. Das war aber nutzlos, alles ging viel zu schnell, um auf irgend eine Weise das Geschehen zu beeinflussen.

Als dies tatsächlich geschehen war, war die Woge vorbei. das Boot war aber immer noch oben in der Luft, dort wo kurz vorher noch Wasser war. Mit einem gewaltigen Knall landete es im Wasser. Der Rumpf wurde dermaßen zusammengedrückt, dass die Wanten auf beiden Seiten durchhängten und sich anschließend mit einem Knall wieder streckten. Ich wurde richtiggehend zusammengestaucht und hatte Mühe wieder aufrecht zu stehen um die Übersicht zurückzugewinnen. Kaum geschehen, sah ich wie voraus die nächste Woge sich bildete. Nun war kein Zögern mehr. Ich wusste, dass das Boot nicht unbedingt ein zweites Mal einen freien Fall verkraften würde. Die Frage war nur noch: wann war der beste Zeitpunkt zur Umkehr? Die Pause erlaubte mir nun, einzugreifen und die Kontrolle über das Boot wieder zu übernehmen. Ich beschloss, zu warten bis am Fuß der Woge das Boot erfasst wurde und sich zu heben begann. Zum Glück war dies die richtige Entscheidung. Willig wendete das Boot, schneller anscheinend als sonst, wurde wie ein Surfboard von der Woge erfasst und wieder zurückgeschoben. Dorthin, wo ich herkam. Mit unvorstellbarer Geschwindigkeit zog das Land links und rechts an mir vorbei. Hoffentlich gerate ich nicht unmittelbar in stehendes Wasser, das würde den Rumpf zerreißen, der für einen „Hull Speed“ von nur 14.5 km/h gedacht war.

Die Dummen haben Glück, sagt man. Sanft lief das Boot aus. Nur einmal schaute ich kurz zurück um zu sehen, ob die Woge über mir zusammenschlagen würde. Ich sah das weiße Wasser oben auf der Krone der Woge und wusste, dass dies nicht geschehen würde. Ich war zu hoch oben auf der Woge und das Boot hielt seinen Kurs. Meine Bauchmuskeln begannen sich zu entspannen und ich dankte meinen Schutzengeln, die nicht zum ersten Mal in meinem Leben harte Arbeit geleistet hatten.

Nur für einen kurzen Moment dachte ich darüber nach, meine Fahrt fortzusetzen aber meine zitternden Knie rieten mir, erst einmal eine Pause zu machen.

Zurück im Hafen sah ich einige Männer der Coastguard mit einem eigentümlichen Lächeln auf ihren Gesichtern.

„War es zu rau dort draussen?“ fragte mich einer.

„Nicht wirklich, ich habe nur beschlossen, noch einen Tag zuzuwarten mit meiner Weiterreise“, war meine etwas dümmlich Antwort.

Ich habe nie herausgefunden, ob diese Männer wussten, was dort hinter dem Landvorsprung geschehen konnte und ich wollte es auch nicht wissen.

Doch davon wollte ich eigentlich nicht berichten. Nur im Zusammenhang mit der erhöhten Sicherheit des Bootes kam mir die Geschichte wieder in den Sinn.

Das Boot wurde derart schwer zusammen gedrückt, dass ich mich wunderte wie es wieder in die ursprüngliche Form zurückfand. Die geklebten Halbschalen hätten sich vielleicht getrennt ohne die über die Nahtstelle gelegten Verstärkungen.

 

Pause war angesagt bei diesem Bericht. Wir haben Cape Canaveral verlassen und werden morgen früh Nassau erreichen. Die Norwegian Spirit macht gute Fahrt, die unverzichtbaren Vergnügungen habe ich hinter mir, das war Essen, Show, Essen, Schnaps Degustation, Musikdarbietungen und wieder essen. Oder zumindest ähnlich so.

Es ist Zeit schlafen zu gehen, denn Nassau ist mit einem Landgang verbunden. Zum Glück stand nicht einer der fünf angebotenen Vergnügungsausflüge im Programm, spazieren gehen und bummeln war angesagt.

Morgen komme ich vielleicht dazu, von meinem eindrücklichsten Erlebnis mit Island Girl zu berichten. Dabei konnte ich von geisterhaften Erscheinungen, die ich auf Grund von Kindheitsleseabenteuern her faszinierend fand, selber eine Nase voll kriegen. Und von einem kalten Nordwindsturm mehr als nur eine Nase voll. Auch dabei sollte ich dankbar dafür sein, dass ich alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und die damit verbundenen Kosten nicht gescheut und in Kauf genommen hatte.

Nassau war schnell „absolviert“. Shopping, die Touristenströme zogen alle in dieselbe Richtung zur selben Zeit, von drei Riesenschiffen ausgespuckt, weckten sie lebhaftes Geschnatter unter den vielen Standbesitzern. Ein alter Mann, der virtuos mit einem noch älteren Schnitzmesser Äste in „Bahamamammas“ verwandelte, zog mich in seinen Bann. Ich konnte nicht widerstehen, ich musste ihm eine Mamma abkaufen. Sie soll einen Ehrenplatz im Cottage erhalten, gleich neben dem viel zierlicher geschnitzten Buddha.

 

Zurück zur IG – Geschichte und den damit verbundenen Erinnerungen.

Ich war Südwest getuckert den ganzen Tag. Der südliche Wind ließ mit IG keinen namhaften Raumgewinn unter Segeln zu. Ich hatte dies immer wieder probiert. Zehn Stunden harter Arbeit unter scheinbar gutem Kurs, mit beinahe Hull Speed, die schnellstmögliche Geschwindigkeit mit dieser Rumpf-Form, ließ höchstens 14.5 km/h zu, führten zu 10 km Gewinn in Richtung Ziel. Die dabei zurückgelegte Strecke betrug vielleicht etwa 130 km. Da war das kleine 12 PS Dieselchen erfolgreicher. Ich konnte damit ungefähr 40 km gegen den Wind erzielen.

Schon seit 2 Tagen sagte der Wetterbericht Nordwinde voraus die mir sehr willkommen gewesen wären, denn ich musste wieder zurück an meine Arbeit in der Schweiz und der faszinierenden Küste von Neuschottland Goodbye sagen. Vorher aber galt es, IG in den sicheren Hafen zu bringen und für den kommenden Winter aus dem Wasser zu nehmen. Die Buchten sind im Winter zugefroren und nur wenige vernachlässigte Boote wurden im Wasser belassen.

Ich war müde vom langen Tag und wollte nicht allzu weit in eine der vielen Buchten hineinfahren und Anker werfen. Im Schutz eines Hügels fand ich den Platz der mir geeignet schien. Ich musste bedenklich nahe ans Ufer gehen bis der Anker in ungefähr 15 Metern Tiefe Grund fand. Er schien aber auf Anhieb zu halten und so beschloss ich, trotz Ufernähe zu bleiben. Der Südwind war hier kaum zu spüren und falls der versprochen Wind aus Norden kam, würde dies ja nicht plötzlich geschehen und mein Gespür für das Boot war recht gut, ich würde das schon bemerken wenn eine Änderung eintrat. So überredete ich mich selber, fand aber den Schlaf nicht so richtig und ging so ungefähr alle halben Stunden nach oben um den Standort auf dem GPS zu überprüfen. Eine Ankerwache hatte ich einprogrammiert, Radius ungefähr 50 Meter und ich wusste aus Erfahrung, dass dies nicht viel nutzte. Zu oft weckte mich das piepsende Signal, wenn für kurze Zeit das GPS Signal nicht richtig hereinkam mit Fehlalarmen.

Stockdunkel wurde die Nacht und erstaunlich ruhig. Ich musste eingedöst sein, als mich ein „singen“ in Wanten weckte. Auf- und abschwellende sanfte Töne waren es, fast wie das Heulen des Windes in den Wanten wenn er wirklich stark wehte.

Ich war schnell im Cockpit, die Tür war ja immer offen. Ich konnte sie gar nicht schließen weil ich sie ausgehängt hatte. Sie war aus Teakholz, wie alles Holz am Boot und der vorherige Besitzer hatte viele Lüftungsschlitze angebracht. Sie hätte also nicht viel genutzt, wenn das Cockpit vollgelaufen wäre. Anfänglich fand ich das beängstigend. Mit zunehmender Erfahrung wusste ich aber, dass auch bei 4 Meterwogen das Cockpit nie nass wurde. Zu gut war die Rumpf Form gebaut um dies zuzulassen. Nur wenn der Bug ins Wasser tauchte, das war bis jetzt erst zweimal geschehen, blies der Wind die Gischt über das ganze Boot bis zum Heck und machte alles nass. Das wenig Wasser konnte aber durch die Abflussrohre, obwohl sie sehr klein waren, immer gut abfließen.

Einmal an der frischen Luft, war mein Erstaunen groß. Die Luft war absolut ruhig, kein Lüftchen blies und konnte für die vermeintlichen Töne in den Wanten verantwortlich sein. Hier oben war auch fast nichts zu hören und steckte meinen Kopf durch die Tür in die Kabine. Hier war es wieder, das gespenstige Heulen und Leseerinnerungen aus meiner Jugend kamen mir in den Sinn. Dort war auch von einem singen der Wanten die rede und immer verbunden mit der Warnung vor einem aufkommenden Sturm.

Von der Seele des Schiffes war die Rede und dass dieses den kommenden Untergang spüren würde. Seemannsgarn, Schauergeschichten.

Unheimlich war es schon, auch wenn ich nicht alles für bare Münze nahm was in diesen Geschichten erzählt wurde. Wunderlich auch, denn ich konnte auf Anhieb keinen erklärlichen Grund für die anhalten Töne finden. Nach einiger Zeit legte ich mich aber wieder hin. Es war immer noch stockdunkel, 3 Uhr erst und zu früh, um rauszugehen. Ein wenig Tageslicht wollte ich schon haben um nicht völlig auf das GPS angewiesen zu sein. Radar hatte ich ja nicht an Bord. Schließlich wusste ich damals bereits, dass das GPS ohne weiteres um 100 Meter, und nicht nur um 15 Meter, ungenau sein konnte um wenig später wieder die versprochene Genauigkeit wieder einzuhalten.

Ich legte mich wieder hin und musste eingenickt sein als ein lauter Bums an den Rumpf mich aus der Koje springen ließ. Und gleich nochmals 2 laute Bumse, wie wenn jemand mit einem großen Hammer gegen den Rumpf geschlagen hätte. Der Anker ist lose und ich bin auf Grund gelaufen! Ich hastete nach oben. Das Singen in den Wanten war nun auch hier oben deutlich zu hören. Dazu kam vom Bug ein lautes Fauchen, ganz so, als ob das Ventil aus einem Autoreifen gezogen würde. Das Fauchen widerholte sich, ich griff zur Taschenlampe und eilte zum Bug. Hier war der Grund für alle Geräusche zu sehen. Drei Delfine, scheinbar außer Atem und immer wieder Luft holend, kreuzten umher und schauten ins Licht. Sie mussten im Dunkeln mit hoher Geschwindigkeit ins Boot geknallt sein. Anders konnte ich mir es nicht erklären. Später folgerte ich dann, dass der Lärm ihre Sinne benebelt hatte und ihr „Radar“ dadurch nutzlos wurde. Das hatte sie offenbar auch veranlasst, im Dunkeln mit hoher Geschwindigkeit den vielleicht für sie schmerzhaften Tönen zu entrinnen

Schließlich verschwanden sie im Dunkeln.

An Schlaf war nun nicht mehr zu denken und ich beschloss, den Anker zu lichten und trotz Dunkelheit auszulaufen. Brav sprang das Yanmar- Dieselchen an und mit kurzem Vorwärtsschub fuhr ich über den Anker, eilte nach vorn und holte das schwere Ding keuchend ein. Es eilte, ich sah ja nicht, wohin das Boot trieb, es war noch zu dunkel.

Zum Glück war es immer noch windstill. Vermutlich hat sich die Windstille eingestellt, weil der Nordwind den Südwind ablösen wird. Ich hatte Zeit genug, das schwere „Wetterzeugs“ anzuziehen, Trinkwasser, Trinkwasser und Sonnenbrille, Fernglas und Taschenlampe an den vertrauten Orten im Cockpit sicher unterzubringen. Zwei Reffs ins Hauptsegel zu knüpfen, das war mir zur Gewohnheit geworden, wenn ich auslief und nicht wusste wie das Wetter draußen aussah. Der Wetterbericht hatte mittlerweile erst in französischer, dann in englischer Sprache auch für meinen Standort nichts Besonders zu vermelden. Es lag aber etwas in der Luft, das spürte ich. das ungewöhnliche Singen konnte ich wegen dem lauten Klopfen des Motors nicht mehr hören und ich wusste nicht, ob es immer noch anhielt.

Schließlich fand ich, dass ich alle Vorbereitungen getroffen hatte die ich für dienlich hielt. Das Funkgerät für Notrufe, in der Kabine beim Eingang angebracht, schaltete ich gar nicht erst ein. Ich hatte beschlossen, unter gar keinen Umständen Hilfe anzufordern. Zu schwierig war es, das Gerät zu bedienen wenn es wirklich zu einer Notsituation kam. Als Einhandsegler gab es dringlichere Maßnahmen zu treffen, als Hilfe anzufordern die sowieso zu spät kommen würde, da war ich fest davon überzeugt. Die Positionsdaten durchzugeben wäre bereits fast unmöglich gewesen, das hatte ich einmal probiert, unter Umständen die kaum gefährlich waren und es war ein Ding der Unmöglichkeit, das Boot auf Kurs zu halten, die Brille aufzusetzen und die kleinen Zahlen zu lesen. Auch hätte ich kein Wort verstanden von dem was aus dem quäkenden Lautsprecher kam, wenn der Motor lief oder das Boot schnelle Fahrt machte. Es ist unglaublich wie lärmig ein Segelboot im Innern ist, auch wenn es nur normale Fahrt macht.

So zockelte ich los und als ich um den Landvorsprung kam sah ich bereits etwas Licht auf dem Wasser. Wie immer hatte ich beschlossen, umzukehren wenn die Situation unsicher aussah oder zu gefährlich schien. Ich kniff die Augen zusammen um besser zu sehen was vor mir lag. Ein Geräusch oben am Mast ließ mich zurücklehnen und hinaufblicken, aber es war zu dunkel um zu erkennen was die Ursache war. Die wurde mir aber nur Sekunden später klar. Das Wasser war immer noch sehr ruhig, aber ein sehr kräftiger Wind hatte zuerst das Hauptsegel und dann sofort das ganze Boot erfasst.

Heftiger Wind Richtung Landvorsprung der rechts von mir lag. Ich musste gegen den Wind Raum gewinnen um nicht an Land getrieben zu werden, das war mein zweiter Gedanke. der erste Gedanke war umzukehren, aber dazu war es bereits zu spät, der Wind hatte Sturmstärke und ließ Gischt über das immer noch ruhige Wasser fliegen.

Dann sah ich es: eine graue, scharfe Trennlinie vom ruhigen Wasser zeichnete sich ab und auf der anderen Seite der Linie das Chaos. Eine Kollision mit der Landspitze konnte ich knapp vermeiden, das Chaos, bestehend aus sich spitz auftürmenden Kreuzseen musste ich aber in Kauf nehmen. Der Wind blies mich mich mit großer Kraft hinein.

Das arme kleine Boot! Wie lange konnte es die heftigen Bewegungen nach links und rechts aushalten? Mit großer Geschwindigkeit sauste die Mastspitze nach links und rechts, gar nichts nutzte es, zu versuchen die Hügel und Täler auf eine Weise anzugehen, die das Boot wenigsten in einer Richtung ungequält ließen. Das auf- und ab Stampfen war sowieso nicht zu umgehen. Trotzdem bemühte ich mich so gut es eben ging, den „besten“ Kurs zu steuern. Es gab aber gar keinen besten Kurs, die Wogen hatten kein System. der Nordwind in sicherer Sturmstärke baute die Wogen die immer noch aus dem Süden anrollten zu bizarren Gebilden auf. Auch sagte mir das GPS, dass die Wassertiefe hier zwischen 15 und 30 Meter betrug. Flach genug, um zusätzliche Komponenten ins Spiel der Wogen zu bringen.

Kalt war es geworden und ich begann zu schlottern. da realisierte ich, dass ich bereits nass bis auf die Haut war, trotz der guten Ausrüstung die ich auf dem Leib trug. Die allgegenwärtige Gischt wurde kräftig zwischen Kapuze und Kragen meinen Hals hinuntergetrieben. Eisig kalt. Es war heller geworden. Ich konnte nun sogar in die Kabine hinunterblicken. Was!? Der Luckendeckel zum Tank schwamm in zentimetertiefem Wasser und hatte seinen Platz bereits verlassen. Auch andere Dinge schwammen im Wasser!

Woher kam es? Hatte ich ein Leck? Nach kurzem nachdenken glaubte ich zu wissen woher das Wasser kam. Die beiden Holzverzierungen, geschmückt mit geschnitzten Verzierungen welche Seetang darstellen sollten, angeblich um Neptun zufriedenzustellen, waren vom vorherigen Besitzer liebevoll nachgebaut und ersetzt worden. Zur Montage der Hölzer benötigte er ein Loch von 10 cm Durchmesser welches nur unvollständig überdeckt und nicht abgedichtet war.

Da Island Girl nur selten ihre Nase ins Wasser steckte war dies nicht weiter schlimm. Das Wasser reinigte die Bilge und die sehr kleine Bilgen pumpe wurde damit spielend fertig. Nun aber war sie überfordert oder außer Betrieb gesetzt. Handpumpen war angesagt denn das Boot durfte nicht schwerer werden. Ich öffnete den Luckendeckel und setzte den darin befindlichen kurzen Hebel in die Handpumpe. dabei konnte ich mich immer noch ans Steuerrad klammern. Zum Glück, denn ich wurde seit Beginn des wilden Rittes hin und her geschleudert und wäre längst über Bord geflogen wenn ich den halt verloren hätte. Beide Hände hatte ich dazu gebraucht und nun mit einer klammen Hand alleine konnte ich nur hoffen, dass ich den halt nicht verlor. Durch das Pumpen wurde mir aber etwas wärmer.

Wenn nur IG nicht immer die Nase immer ins Wasser stecken würde, dachte ich und schaute besorgt zu dem etwas grösser gewordenen Dreieck der Genuas auf. Der starke Wind hatte den Stoff stramm um den Furler gewickelt und damit mehr Segelfläche erzeugt. Diese Fläche befand sich ungefähr auf halber Höhe zur Mastspitze und drückte den Bug immer wieder ins Wasser. Ich probierte zu erahnen, wie viel mehr Vorsegelfläche der Backstag wohl tragen konnte bei diesem Wind. Keinesfalls viel, war meine Schätzung. Trotzdem, der Angriffsschwerpunkt würde näher zum Rumpf hin wandern und somit das runterdrücken des Bugs mindern. Das war meine Schlussfolgerung. Ich musste es wagen. Ich beschloss, das Pumpen kurzfristig einzustellen und mich mit dieser Aufgabe zu befassen. Ich schaute zur entsprechenden Leine um zu sehen wie oft sie um die Rolle der Winch führte. Zweimal, besser ich lege sie drei Mal rum bevor ich die Sicherung in einem geeigneten Moment löste. Dabei würde ich für einen Moment lang beide Hände brauchen und gegen eine angelesene Segelregel verstoßen: Eine Hand für das Schiff und eine Hand für den Mann. Das war leider nun nicht möglich. Ich nahm in Kauf, dass ich wie bereits gehabt meinen sicheren Stand verlor und knochenbrechend gegen eine Kante geschleudert wurde. Ein Wunder, dass meine alten Knochen diese Tortur bisher gut überstanden hatten.

Um es kurz zu machen: Ich ließ die Leine fahren, entweder weil sie zu stark zog trotz der drei Umschlingungen oder weil meine Hand zu klamm war. Zum Glück war die Leine gut aufgeschossen und ich befand mich ausserhalb des Gefahrenbereichs. Die Leine sauste los, der Achterknoten am Ende der Leine riss die beiden Schrauben vom Not-Stopp aus dem Rumpf, der Not-Stopp samt Leine sauste runter zur Umlenkrolle am Rumpf des Bootes und blieb dort zum Glück stecken. Mit einem lauten Knall füllte der Wind die 130% Prozent Genua und mein Magen verknotete sich vollends. Vermutlich hatte er sowieso seit geraumer Zeit nur noch die Größe einer Walnuss, aber nun begann er heftige Schmerzen zu melden. Angst. Ich hatte Todesangst und glaubte mein Ende gekommen. Nie würde das dünne Stahlseil das von der Mastspitze zum Heck führte diese gewaltige Kraft aufnehmen können. Siedend heiß sah ich auch die Schwachstelle am anderen Ende: Ein ausgeleierter Verschlusshaken, der am Bug dieselben Kräfte auszuhalten hatte.

Nachdem aber nach fünf Minuten der Untergang noch nicht stattgefunden hatte, begann ich zu hoffen.

Erstens: Das nach unten nun voll offene Vorsegel hob den Bug aus dem Wasser.

Zweitens: Der Backstag schien zu halten.

Drittens: Der Kurs um den Landvorsprung auf der anderen Seite von der Einfahrt zu Halifax schien immer noch möglich.

Und viertens: Die Kreuzseen hatten spürbar nachgelassen. Der Nordwind hat die Wellen endlich in seine Richtung gezwungen. Die Wogen waren immer immer noch gewaltig, aber das Boot fuhr nun in die gleiche Richtung.

Unglaublich stabil wurde nun die Fahrt mit Island Girl. Sie schien dafür gemacht zu sein, solche wilden Ritte zu absolvieren, sie war in ihrem Element. Die Geschwindigkeit war hoch genug und der Druck in den Segeln so stark, dass sie sogar dann aufrecht blieb, wenn sie an den abfallenden Seiten der Wogen entlang lief. Die Bugwelle, normalerweise Gischt aufwerfend in der Länge von maximal zwei bis drei Metern, endete nun erst beim Cockpit. Das letzte Mal, als ich solche Bugwellen sah, befand ich mich in einem ungefähr gleich grossen Motorboot, welches mit zwei je 300 PS starken Motoren ausgerüstet war und volle Fahrt lief.

Obwohl Island Girl nun Höchstgeschwindigkeit lief, wurde es von Zeit zu Zeit von einem Brecher eingeholt. Dann geriet es beinahe ins surfen bevor die Welle dann das Boot doch noch hinter sich liess. Ich atmete jedes Mal auf, denn für kurze Momente hatte ich keine Kontrolle über das Ruder. Eine Wende hätte ich wohl kaum überlebt. Ich hatte ja keinen Zugang mehr zur Steuerbordleine und noch immer war viel zu viel Druck im Segel um auch nur daran zu denken die Leine ins Cockpit zurück zu holen.

Ich nahm das Pumpen wieder auf und nach kurzer Zeit kam kein Wasser mehr.

Es war dunkle Nacht als ich nach vierzehn Stunden die ersten Lichter von Sambro sah.

Weit draußen hatte ich die Einfahrt nach Halifax durchquert und dabei keine anderen Boote gesehen. Zum ersten Mal hatte mich dabei kein Helikopter oder Boot der Küstenwache unter die Lupe genommen. Vermutlich hatte niemand daran gedacht, dass ein Boot bei diesem Wetter unterwegs war. Zudem war die Sicht über lange Zeit nur wenige Meter.

Ich war so erschöpft, dass ich unbedingt eine Mütze voll Schlaf haben musste. In einer kleinen unruhigen Bucht, die nur scheinbar Schutz bot, sie war zu klein und rundherum herum waren Felsen im Dunkeln zu sehen, warf ich den Anker. Die Bewegungen des Bootes waren jedoch so stark und der Lärm im Innern so gewaltig, dass ich vermutlich nicht länger als fünf Minuten schlief. Aber mit Sicherheit weiß ich das nicht mehr. Das Anker einholen war eine Tortur und anschließend fuhr ich durch bis nach Gold River Marina. Zweiundvierzig Stunden war ich insgesamt unterwegs, die kurze Pause inbegriffen.

Einige Tage brauchte ich, um das Erlebte zu verarbeiten. Die Schlussfolgerung war, dass ich das ultimative Abenteuer nun erlebt hatte was mit Einhand-Segeln zusammenhing.

Mehr brauchte es nun wirklich nicht mehr, um mir die Grenzen aufzuzeigen die einem alten Mann nun einmal gesetzt sind. Und Schönwettersegeln hatte mir eigentlich nie Spaß gemacht. Anscheinend hatte ich Island Girl immer unterschätzt und war zu vorsichtig mit ihr umgegangen. Der Schwachpunkt war nicht das Boot sondern ich selber wurde fast über meine Grenzen hinweg gefordert. Die Seetüchtigkeit der Bayfield 29 stand für mich nun ausser Zweifel fest, ich bekam aber starke Zweifel, ob das für mich auch galt. Ich hatte wieder einmal Glück gehabt.

 

Im Nachhinein tauchten für mich folgende Fragen und eventuelle Antworten auf:

Haben die Delfine das Boot absichtlich gerammt, so wie sie auch bedrohliche Haie rammten, weil sie das Boot für die Ursache der störenden Geräusche hielten? Oder haben bei dem starken Lärm ihre Orientierungssinne versagt?

Woher kamen die gespenstischen Töne überhaupt? Es musste mit dem nahen Sturm zu tun haben. Aber können heftige Kreuzseen das Wasser derart heftig bewegen, dass diese immerhin recht hohen Frequenzen erzeugt wurden und das Wasser über weite Strecken zum Schwingen brachten? So etwa, wie wenn Wale über mehrere Kilometer hinweg miteinander kommunizierten? Nur viel stärker?

 

Nun, Jahre später und wieder auf demselben Wasser unterwegs, träume ich von den vielen schönen Stunden die Island Girl mir bescherte. Schön wäre es schon, wieder einmal sehr nahe bei den Wellen zu sein und die Herausforderung anzunehmen die mit jeder Seefahrt verbunden ist. Auch die vielen Gleichgesinnten die man auf dem Wasser oder in den Häfen trifft, sind Erinnerungen die ich nicht missen möchte. Und zugegeben: Die Frage: Bist du wirklich ganz allein die ganze Strecke hierher gesegelt?, die machte mich schon etwas stolz auf meine Leistung. Oft war es harte Arbeit die einem zufrieden in einer sicheren Bucht einschlafen ließ. Na ja, ganz alleine schon, aber oft konnte ich als nervöser Landmensch der Versuchung, schneller voranzukommen nicht widerstehen und ich liess das kleine Yanmar Dieselchen und den Autopiloten meine Arbeit tun.

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